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Widdererkennungswert

Widdererkennungswert

Widdererkennungswert

Wiedererkennungswert – ein Begriff aus dem Marketing. Doch ein einziger Buchstabe verändert die Richtung: aus wieder wird wider, und mitten im Wort taucht unerwartet ein Tier auf – der Widder. Ein Streifzug durch Sprache, Widerstand und die Frage, was sichtbar wird, wenn man sich dem widersetzt, was man bisher für selbstverständlich hielt: der Widdererkennungswert.

Widdererkennungswert

Wider der Widrigkeiten erkenne ich meinen Wert.

Wiedererkennungswert ist ein Begriff aus Marketing und Kommunikation. Gemeint ist die Fähigkeit, etwas wiederzuerkennen: eine Marke, ein Logo, eine Farbe, einen Menschen, einen Stil.

Etwas begegnet uns erneut und wir sagen:

Das kenne ich.

Doch was geschieht, wenn wir das Wort nicht einfach hinnehmen, sondern auseinandernehmen?

Wieder erkennen

Wiedererkennen setzt voraus, dass etwas bereits bekannt ist.

Wir vergleichen das, was vor uns liegt, mit etwas, das wir gespeichert haben. Mit Bildern, Erfahrungen, Erwartungen und Vorstellungen.

Das ist ausgesprochen nützlich.

Ohne Wiedererkennung müssten wir die Welt in jedem Augenblick vollständig neu erfassen. Ein Stuhl wäre jedes Mal ein unbekanntes Objekt. Ein Gesicht bei jeder Begegnung ein fremdes Gesicht.

Wiedererkennung schafft Orientierung.

Aber genau darin liegt auch ihre Grenze.

Denn wir erkennen nicht nur wieder, was ist.

Wir erkennen auch wieder, was wir bereits darüber zu wissen glauben.

Aus Wahrnehmung wird Vergleich.

Aus Vergleich wird Zuordnung.

Aus Zuordnung entsteht Bedeutung.

Und irgendwann begegnen wir nicht mehr dem, was vor uns steht, sondern unserer Vorstellung davon.

Wider erkennen

Ein kleiner Buchstabe verändert die Richtung.

Aus wieder wird wider.

Nicht noch einmal erkennen.

Sondern:

gegen etwas erkennen.

Wider bedeutet Gegenbewegung, Widerspruch, Widerstand.

Wider-Erkennen beginnt dort, wo das Bekannte seine Selbstverständlichkeit verliert.

Vielleicht stimmt das, was ich über diesen Menschen glaube, nicht.

Vielleicht stimmt das, was ich über Erfolg gelernt habe, nicht.

Vielleicht stimmt das, was eine Familie, ein Unternehmen oder eine Gesellschaft für normal erklärt, nur innerhalb ihres eigenen Systems.

Vielleicht stimmt sogar das Bild nicht, das ich von mir selbst habe.

Dann richtet sich Erkennen plötzlich gegen das bereits Erkannte.

Nicht aus Trotz.

Nicht um zwanghaft das Gegenteil zu behaupten.

Sondern weil etwas genauer betrachtet wird.

Der Widder

Und dann taucht mitten im Wort ein Tier auf.

Der Widder.

Das ist zunächst schlicht ein sprachlicher Zufall.

Man kann ihn dabei belassen.

Oder man schaut, welches Bild dadurch entsteht.

Ein Widder diskutiert nicht endlos mit dem Hindernis.

Er bemerkt Widerstand.

Er richtet sich aus.

Und er geht hinein.

Damit wird der Widder zu einem brauchbaren Bild für einen bestimmten Vorgang:

Erkenntnis braucht manchmal Widerstand.

Solange alles zu dem passt, was wir ohnehin glauben, gibt es wenig Anlass, genauer hinzusehen.

Erst der Widerspruch erzeugt Spannung.

Etwas passt nicht.

Eine Erklärung funktioniert nicht mehr.

Ein gewohntes Verhalten führt nicht mehr zum gewünschten Ergebnis.

Eine Rolle wird unerträglich.

Eine Vorstellung zerbricht an der Wirklichkeit.

Das Hindernis wird dadurch nicht nur zum Problem.

Es wird zur Information.

Wider die Widrigkeiten

Widrigkeiten haben eine unangenehme Eigenschaft:

Sie halten sich nicht an unsere Vorstellungen davon, wie das Leben sein sollte.

Genau deshalb können sie sichtbar machen, worauf diese Vorstellungen gebaut waren.

Solange ein System funktioniert, stellt man seine Regeln selten infrage.

Erst wenn es nicht mehr funktioniert, werden seine Konstruktionen sichtbar.

Das gilt für technische Systeme ebenso wie für Beziehungen, Organisationen und das eigene Leben.

Eine Krise kann deshalb etwas offenlegen, das vorher unsichtbar war.

Nicht weil Krisen grundsätzlich gut wären.

Nicht weil Leid notwendig wäre.

Und schon gar nicht, weil man Leid nachträglich positiv umdeuten müsste.

Sondern weil eine Störung Informationen über ein System liefert.

Etwas, das vorher selbstverständlich erschien, wird fragwürdig.

Und genau dort kann Dekonstruktion beginnen.

Erkenne ich meinen Wert

Jetzt verändert sich der Begriff erneut.

Der Wert liegt nicht länger darin, wiedererkannt zu werden.

Er liegt darin, zu erkennen.

Und irgendwann richtet sich dieses Erkennen auf die eigene Person.

Was von dem, was ich für mich halte, stammt tatsächlich von mir?

Welche Bewertungen habe ich übernommen?

Welche Maßstäbe?

Welche Rollen?

Welche Erwartungen?

Welche Vorstellungen davon, was erfolgreich, normal, vernünftig, liebenswert oder wertvoll sein soll?

Vielleicht wurde der eigene Wert lange daran gemessen, ob andere zustimmen.

Ob man gebraucht wird.

Ob man funktioniert.

Ob man Erwartungen erfüllt.

Ob man dazugehört.

Dann entsteht eine bemerkenswerte Verschiebung:

Von

Welchen Wert habe ich für das System?

zu

Welchen Wert erkenne ich selbst?

Das ist etwas anderes als Selbstoptimierung.

Es geht nicht darum, aus sich einen besseren Menschen zu machen.

Vielleicht muss gar nichts hinzugefügt werden.

Vielleicht muss etwas weggelassen werden.

Eine Vorstellung.

Eine Zuschreibung.

Eine Forderung.

Ein fremder Maßstab.

Bis etwas sichtbar wird, das vorher darunter verborgen lag.

Widererkennenswert

Damit bekommt auch ein weiteres Wort eine andere Bedeutung.

Widererkennenswert.

Nicht nur:

wert, wiedererkannt zu werden.

Sondern auch:

wert, wider erkannt zu werden.

Es gibt Gedanken, Systeme und Überzeugungen, die es wert sind, dass man ihnen widerspricht.

Nicht um sie zu vernichten.

Sondern um zu prüfen, was von ihnen übrigbleibt, wenn ihre Selbstverständlichkeiten verschwinden.

Und vielleicht gilt dasselbe für uns selbst.

Wir werden nicht unbedingt dadurch erkennbarer, dass wir unserem Bild immer mehr Eigenschaften hinzufügen.

Manchmal werden wir erkennbarer, indem wir aufhören, etwas darzustellen.

Dann entsteht Identität nicht durch Konstruktion.

Sondern durch Weglassen.

Vom Wiedererkennungswert zum Widdererkennungswert™

Der klassische Wiedererkennungswert fragt:

Woran erkennt man mich wieder?

Der Widdererkennungswert™ stellt eine andere Frage:

Was erkenne ich, wenn ich mich dem widersetze, was ich bisher für selbstverständlich hielt?

Damit verschiebt sich der Blick von außen nach innen.

Von Wirkung zu Wahrnehmung.

Von Darstellung zu Erkenntnis.

Von Anpassung zu Unterscheidung.

Und schließlich vom Wert, den andere zuschreiben, zu dem Wert, der erkannt wird.

So wird aus einem Buchstabenfehler ein Denkraum.

Wieder erkennen.

Wider erkennen.

Widder erkennen.

Wert erkennen.

Und am Ende vielleicht:

Wider der Widrigkeiten erkenne ich meinen Wert.

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