Eine neue Tastatur und ihre Folgen
Ein satirisches DIY-Projekt über Tastaturen, Produktdesign und die Frage, ob man sich ein Gehäuse notfalls selbst backen kann.
Alles begann mit einem völlig unspektakulären Problem: Ich brauchte eine neue Tastatur.
Meine bisherige CHERRY STREAM war mir beim Schreiben zu schwammig geworden. Buchstaben lösten gelegentlich mehrfach aus, der Anschlag fühlte sich unpräzise an. Also begann die Suche nach etwas Neuem: Standardlayout, deutsches QWERTZ, normale Funktionstasten, kein Gaming-Spielzeug, keine Notebooktastatur und vor allem ein klarer, definierter Anschlag.
Nach zwei bereits gescheiterten Versuchen mit Logitech-Tastaturen landete schließlich eine CHERRY KC 200 MX mit MX2A-Brown-Schaltern auf meinem Schreibtisch.
62 Euro. Lieferung am selben Tag.
Eigentlich konnte man da nicht meckern.
Dann öffnete ich den Karton.
Die Tastatur war sogar in weißes Geschenkpapier eingewickelt.
Das hätte mich misstrauisch machen sollen.
Wo ist das Gehäuse?
Mein erster Gedanke nach dem Auspacken war nicht: „Oh, eine schöne neue Tastatur.“
Sondern:
Hat CHERRY das Gehäuse vergessen?
Vor mir lagen Tasten. Viele Tasten. Darunter eine erstaunlich dünne Konstruktion.
Mehr war optisch nicht vorgesehen. Natürlich hatte CHERRY nichts vergessen.
Das nennt sich „Floating-Key-Design“. Die Tasten stehen frei auf der Grundplatte und sollen vermutlich modern, technisch und reduziert wirken.
Bei mir erzeugte es vor allem den Eindruck, als wäre die Produktion ungefähr drei Minuten vor Fertigstellung beendet worden.
Der Anschlag dagegen war gar nicht schlecht. Der Tastenhub passte. Die MX2A-Brown-Schalter waren wesentlich angenehmer als meine alte Tastatur. Etwas knackiger hätten sie sein dürfen, aber damit hätte ich leben können.
Mit den stark gemuldeten Tastenkappen musste ich mich erst anfreunden. Dann stellte ich die Tastatur hinten etwas höher und plötzlich gefiel sie mir besser. Das Gehäuse fehlte allerdings weiterhin.
Das Problem mit den Keksen
Eine offene Tastatur bringt neue Fragen mit sich.
Zum Beispiel:
Kann man am Arbeitsplatz noch Kekse essen?
Bei einer klassischen Tastatur landet ein Teil der Krümel irgendwo dort, wo man sie zumindest nicht unmittelbar betrachten muss.
Bei einer Floating-Key-Tastatur kann man dem Keks praktisch dabei zusehen, wie er in die Mechanik einzieht.
Croissants wurden deshalb vorsorglich als Hochrisikolebensmittel eingestuft. Blätterteig gilt seitdem als Sabotage. Als mögliche therapeutische Maßnahme wurde ein Glas Primitivo diskutiert.
Nicht für die Tastatur. Für den Benutzer.
Zwei Tastaturen erzeugen Haltung
Zwischendurch entstand die Idee, die alte und die neue Tastatur einfach gleichzeitig zu benutzen:
mit der linken Hand auf der alten, mit der rechten auf der neuen. Das hätte mehrere Vorteile.
Die Fehler ließen sich auf zwei Systeme verteilen, beide Tastaturgenerationen blieben produktiv und ergonomisch würde daraus wahrscheinlich ein interdisziplinärer Fall für Physiotherapie und Psychotherapie. Oder, wie wir schließlich feststellten:
Zusammen erzeugen sie Haltung.
Von dort war es nur noch ein kleiner Schritt zur ökumenischen interdisziplinären Zusammenarbeit auf Quantenebene. IBM könnte Pate stehen. Qbits inklusive.
Dann kam die Laubsäge
Da ein Gehäuse offenbar nicht Bestandteil des ursprünglichen Produktkonzeptes war, lag eine naheliegende Lösung auf der Hand: Ich baue mir selbst eines.
Im Keller liegt noch meine alte Laubsäge aus der Grundschulzeit.
DDR-Vergangenheit. Man hebt Dinge auf. Man könnte sie schließlich noch einmal brauchen.
Leider fehlt das Sägeblatt.
Damit scheiterte die industrielle Fertigung zunächst an einem klassischen Single Point of Failure.
Kurzzeitig bestand die Hoffnung, bei einem Spaziergang durch Potsdam ein passendes Tastaturgehäuse oder einen ausrangierten 3D-Drucker am Straßenrand zu finden.
Hier werden Dinge, die nicht mehr gebraucht werden, gern vor die Tür gestellt.
Dezentrale Ersatzteilversorgung.
Und dann kam die Idee!
Warum überhaupt Holz?
Warum Kunststoff?
Warum Aluminium?
Warum nicht ein Material verwenden, das seit Generationen verfügbar, formbar, kostengünstig und vollständig individualisierbar ist? Salzteig.
Damit war die Idee geboren:
KC 200 MX – Salzteig Edition
Ein handgefertigtes Tastaturgehäuse aus Mehl, Salz und Wasser.
- Nachhaltig.
- Individuell.
- Reparierbar.
- Und theoretisch essbar.
Die Tastatur selbst sollte man vor dem Backen möglicherweise herausnehmen. Sonst bekommt der Begriff Hot-Swap eine völlig neue Bedeutung.
Crowdfunding
Aus der ursprünglichen Suche nach einer vernünftigen Schreibtastatur ist inzwischen ein Entwicklungsprojekt geworden. Ziel ist die Erforschung eines bislang weitgehend unbeachteten Marktsegments:
handwerklich gefertigte Gehäuselösungen für industriell gehäusearme Tastaturen.
Geplant sind verschiedene Entwicklungsstufen:
-
Salzteig Prototype Edition
-
Potsdam Street-Find Edition
-
Grundschul-Laubsäge Edition
-
Primitivo Founder’s Edition
Ob daraus jemals ein marktreifes Produkt entsteht, ist völlig offen.
Ob sich währenddessen weitere absurde Ideen entwickeln, gilt hingegen als wahrscheinlich.
Hinweis
Dies ist ein satirisches, unabhängiges Projekt. Die Bezeichnung CHERRY KC 200 MX verweist ausschließlich auf die von mir verwendete Tastatur. Die hier beschriebene „Salzteig Edition“ ist kein Produkt der CHERRY GmbH und steht in keiner geschäftlichen oder sonstigen Verbindung mit dem Hersteller.
Die Geschichte basiert auf einem tatsächlichen Tastaturkauf. Die anschließende Produktentwicklung wurde von einem KI-Reporter live begleitet.
Und leider hat auch er bis heute kein Gehäuse im Karton gefunden.
- Kindheit
- Orgelspielen lernen
- erste elektronische Bausätze
- Hauptschule
- Dr. Böhm Orgel CnT/L — Bau meiner ersten Orgel im Bausatz
- Unterstützung anderer Orgelbauer beim Zusammenbau und Fehlersuche ihrer Orgeln
- Wersi Orgel Saturn — Bau meiner zweiten Orgel im Bausatz
- Orgelunterricht erteilt
- Berufsfachschule Elektrotechnik
- Wersi Orgel Galaxis — Bau meiner dritten Orgel im Bausatz
- Ausbildung zum Feingeräteelektroniker
- FOS Elektrotechnik und Studium technische Informatik
- Wirken als Servicetechniker für Büromaschinen und Computer in Hamburg
- Wirken als Servicetechniker für Computer- und Netzwerksysteme in Buxtehude
- MEHRWERTE-IT — 32+ Jahre intelligente IT-Systeme für anspruchvolle Unternehmen
- Kauf und Ausbau des 1. Hauses in Ahlerstedt
- Geburt und Aufzucht zweier Kinder
- Planung und Bau des 2. Hauses in Ahlerstedt
- Depersonalisierung und Dekonstruierung
- Vielfältige Weiterbildungen: Hypnose, Coaching, Business Coaching, Veränderungsmodelle, Aufstellungsarbeit, Systemische Arbeit, Resonanzfeldarbeit, Spirituelle Konzepte, Schattenarbeit, Traumauflösung, Schamanismus
- exento.me — Auflösung individueller und kollektiver Traumata
- illaye.de — Resonanzfeldarbeit
- dahedo.de — Freiberufliche Tätigkeit als Mentor für Dekonstruktion
- Subraum — Webprojekt für die Entdeckung und Kontextualisierung okkulter Wissensräume — zugänglich, kritisch und zeitgemäß.
- neue Tastatur
- dahedo music


