Enantiodromie
C.G. Jungs Begriff für den Umschlag: Was zu lange unterdrückt wird, kippt irgendwann abrupt ins Gegenteil – als Selbstkorrektur, nicht Scheitern.
Enantiodromie
Ein Begriff von C.G. Jung, entlehnt aus dem Griechischen: das Laufen in die entgegengesetzte Richtung.
Das Gesetz dahinter: Was zu lange überbetont, unterdrückt oder einseitig gehalten wird, erzeugt im Verborgenen eine Gegenbewegung. Irgendwann wird diese Gegenbewegung stärker als die ursprüngliche Kraft — und das System kippt. Oft abrupt. Oft chaotisch. Immer mit einer Wucht, die aus der aufgestauten Kompensation stammt.
Das ist kein Scheitern. Es ist die Selbstkorrektur eines Systems, das zu lange gegen seine eigene Natur gehalten wurde.
Jung verband Enantiodromie mit Individuation — dem lebenslangen Prozess, den eigenen Kern freizulegen. Die Enantiodromie ist der Wendepunkt darin: der Moment, in dem die alte Ordnung nicht mehr haltbar ist und das Selbst beginnt, sich neu zu organisieren. Nicht als Gewinn, zunächst. Als Zerbrechen.
Das Muster zeigt sich auf jeder Ebene: im einzelnen Menschen, der nach langer Anpassung aus der Rolle fällt. In Organisationen, die an Fassaden festhalten, bis eine Krise das Eigentliche freilegt. In kulturellen Systemen, die Jahrzehnte lang in eine Richtung gedrückt wurden.
Die Erschütterung ist nicht das Ende. Sie ist der Beginn von etwas, das vorher nur nicht sichtbar war.
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Der Subraum von dahedo
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