Industrialisierung
Wie die Industrialisierung Körper zur Arbeitskraft reduzierte und die Sprache für inneres Erleben weiter verengte – mit Folgen bis heute.
Industrialisierung
Industrialisierung kommt vom lateinischen industria (Betriebsamkeit, Fleiß). Das Wort beschreibt die Umwandlung einer Gesellschaft von handwerklicher, landwirtschaftlicher Produktion zu fabrikgestützter, maschineller Massenproduktion.
Die Industrialisierung (19. Jahrhundert) war mehr als eine technische Veränderung. Sie war eine Umwälzung des menschlichen Lebens – wie Menschen arbeiten, leben, denken, fühlen.
Der Anfang
Die Dampfmaschine (Watt, 1769) machte es möglich: Energie, die nicht von Mensch oder Tier kam, sondern von fossilen Brennstoffen. Die Fabrik wurde zur neuen Organisationsform – Hunderte von Menschen, rhythmisiert nach dem Takt der Maschine, spezialisiert auf einzelne, wiederholte Handgriffe.
Das war effizient. Es war auch entfremdend.
Was sich veränderte
Äußerlich: - Massenproduktion statt Handwerk - Landflucht – Menschen zogen in Städte - Neue Klassen: Fabrikbesitzer und Arbeiter
Innerlich (weniger sichtbar, aber tiefgreifender): - Arbeitszeit wurde mechanisiert – nicht der Rhythmus des Körpers, sondern der Maschine - Der Körper wurde zur Arbeitskraft reduziert, nicht mehr zur Person - Familie zerfiel – Väter waren weg in Fabriken, Kinder arbeiteten statt zu spielen - Die Sprache für inneres Erleben verengte sich weiter: "Das ist nicht produktiv. Das zählt nicht."
Die unsichtbaren Folgen
Die Industrialisierung beschleunigte den Sprachverlust für innere Zustände. Was vorher höfisch, poetisch differenziert beschrieben wurde, wurde jetzt als "unproduktiv" verdächtigt.
Der Körper wurde zur Maschine. Gefühle wurden zum Luxus oder zur Krankheit. Alexithymie (das Unvermögen, Gefühle in Worte zu fassen) wurde nicht erfunden, aber systematisiert – als Normalzustand der Arbeiterklasse.
Warum das heute noch zählt
Wir leben noch immer nach den Mustern der Industrialisierung. Der Arbeitstag ist Maschinenzeit. Der Körper ist Arbeitskraft. Gefühle sind privat oder irrelevant.
Die Technologie hat sich verändert, aber die innere Struktur ist die gleiche: Wie kann man Menschen optimieren? Wie kann man das, was nicht messbar ist, ignorieren oder klein machen?
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